Geschichte – Die frühen Siechenhäuser in Burgdorf

Schon 1316 wird in Burgdorf ein Siechenhaus erwähnt. Dieses stand vermutlich an einem anderen Ort. Die Kapelle St. Bartholomäus ist seit 1446 urkundlich nachgewiesen und könnte ursprünglich zu einem älteren Siechenhaus gehört haben.

Das heutige Gebäude wurde zwischen 1506 und 1508 gebaut. Diese Datierung konnte durch Rechnungen und durch Untersuchungen am Holz und am Bau bestätigt werden.

Nutzung über mehrere Jahrhunderte

Über mehrere Jahrhunderte wurde das Siechenhaus als Pflegehaus genutzt. In alten Rechnungen findet man Ausgaben für:

  • eine Badestube
  • eine Schwitzstube
  • Öfen
  • Fenster
  • Mauern
  • Türen und Schlösser
  • Brunnen und Wasserleitungen

Dies zeigt, dass das Haus ständig genutzt und unterhalten wurde.

1798, nach dem Einmarsch der französischen Truppen, wurden die letzten Kranken in das Niedere Spital verlegt. Das Siechenhaus wurde geschlossen.

Neue Nutzungen

Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude verpachtet und später als Remise und Lager genutzt. 1854 versteigerte die Burgergemeinde das Gebäude an einen Burgdorfer Förster, später gehörte es zur Brauerei Feldschlösschen.

1925 kaufte die Burgergemeinde Burgdorf das Gebäude zurück und stellte es unter Schutz. Damit wurde das Siechehus vor dem Abbruch gerettet.

Im 20. Jahrhundert wurde das Gebäude mehrfach renoviert. Ab 1944 wurde es als Pfadfinderheim genutzt. Später wurden Fassaden und Dach renoviert. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz und gilt als eine der schönsten Event-Locations der Schweiz.

Alltag

Inventare aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeigen, wie die Menschen hier lebten. Aufgelistet sind zum Beispiel Kochgeschirr aus Kupfer, Kessel, Pfannen und Krüge, Werkzeug, Bettwäsche und Kleidung, Kerzen, Tische und Bänke, Landwirtschaftsgeräte und vieles mehr. Das deutet darauf hin, dass die Bewohner nicht nur gepflegt wurden, sondern auch arbeiteten und sich teilweise selbst versorgten. Vermutlich gab es rund um das Siechenhaus Gärten und Felder.

Man nimmt an, dass meist weniger als zehn Personen gleichzeitig im Siechenhaus lebten.

Literatur über das Siechenhaus:

Regula Glatz, Daniel Gutscher «Burgdorf. Ehemaliges Siechenhaus (PDF)»